Ein anderer Kommentar sagt das Vonovia ca. 29 % der Mieteinnahmen als Dividende an die Investoren abführt. Nur um mal eine Zahl zu nennen.
Das löst das Grundproblem (geringe Verfügbarkeit nicht), aber 20 % geringere Mieten (wenn wir davon ausgehen, die Reinvestitionsquote steigen soll) wären schon ein Wort.
Die Dividenden sind letztlich das, was Vonovia seinen Anlegern dafür zahlt, dass diese ihr Geld geben. Rechnen wir noch das Zinsergebnis (880 - 130 = 750) dazu, ergeben sich:
(1,060 + 0,750) / 84,448 = ~ 2,14%. Das fällt bei einer Vergesellschaftung nicht vollständig weg: Berlin müsste die Immobilien ebenfalls finanzieren und dafür Geld zahlen. Bundesanleihen mit 20-30 Jahren Laufzeit liegen momentan eher um die 3,8% (30-jährig heute 3,78%). Ob Berlin die gleichen Sätze bieten kann, oder nicht doch einen Aufschlag zahlen müsste, ist fraglich.
Wenn wir 20% Mietsenkung unterstellen, bleiben also nur 80% - 38% = 42% der heutigen Miete, aus der die Finanzierung erfolgen muss. Das sind 1,71% des Marktwerts pro Jahr (4,06 * 42%). Das bedeutet auch: zum vollen Marktpreis bräuchte Berlin 3,8% pro Jahr (siehe Bundesanleihen), selbst ohne Tilgung, nach den laufenden Kosten bleiben aber aus der heutigen Miete nur 2,52% (4,06% * 42%) übrig. Aufgrund der Differenz müsste die Miete hier also sogar um gut 30% steigen.
Die Initiative rechnet in Berlin mit 240.000 Wohnungen, die vergesellschaftet werden könnten. Unter der Annahme, dass diese im Schnitt so viel wert sind wie der Eigen-Gesamtbestand von Vonovia ergibt sich für Berlin ein Wert von ca. 38 Mrd. €, mit dem pro Jahr ca. 1,55 Mrd. € Mieteinnahmen erzielt werden. Die 1,71% von oben verraten uns nun, wie viel Berlin damit pro Jahr bedienen kann, also wie viel Berlin tatsächlich entschädigen kann:
Als Zins nehmen wir optimistischerweise die 3,8% des Bundes und drei verschiedene Laufzeiten (30, 50, unendlich (gar keine Tilgung)):
höchstmögliche Entschädigungen
30 Jahre: ~30%
50 Jahre: ~40%
unendlich : 45%
Für 20% weniger Miete muss die Entschädigung also in einem Korridor zwischen 30-45% des Marktwerts liegen. Das Problem: je mehr Spielraum Berlin bei der Miete haben will, desto geringer muss die Entschädigungshöhe ausfallen und desto höher ist das juristische Risiko, damit vor Gericht durchzukommen.
Und: das ganze unterstellt das gleiche Niveau wie bei Vonovia, wohingegen du von 20% weniger Miete + mehr Reinvestition gesprochen hast. Das würde die Zahlen noch mehr drücken. (Bei 10% der Miete zusätzlich für Sanierung sinkt der Korridor auf ~23-34%)
Außerdem ist die Annahme hier, dass Berliner Wohnungen im Durchschnitt ebenso bewertet sind wie der Durchschnitt des Eigenbestands von Vonovia. Die sind allerdings auch in Österreich und Schweden tätig und besitzen zB auch Immobilienbestände im Ruhrgebiet. Sind die Berliner Wohnungen überdurchschnittlich teuer, würde dies die Rechnung weiter belasten.
Weiterhin wird unterstellt, dass Berlin die Wohnungen ebenso günstig bewirtschaftet wie Vonovia. Dazu kann ich mir kein Urteil erlauben.
Ob man merkt, dass ich heute keine große Lust auf Job habe…
Wäre nie auf die Idee gekommen, dass du heute nicht mehr groß für die Arbeit motiviert warst… bis ich gesehen habe das du deine Annahmen sogar mit Quellen hinterlegt hast (wusste garnicht, dass das hier so elgant geht) xD
/edit: Sehe dank der Rechnung auch meinen Denkfehler: In meiner Annahme wäre es eine entschädigungslose Enteignung gewesen.
So wie es sich darstellt, würde eine Vergesellschaftung letztlich nichts ändern, da das systematische Grundproblem (oder die Grundziel) des Kapitalismus (systematische Akkumulation von Kapital mit Umverteilung von unten nach oben bei gleichzeitigem Schutz von Privateigentum) im Weg steht. Daran was zu ändern wäre selbst eine linke Alleinregierung in Berlin Lichtjahre entfernt von.
Ein anderer Kommentar sagt das Vonovia ca. 29 % der Mieteinnahmen als Dividende an die Investoren abführt. Nur um mal eine Zahl zu nennen. Das löst das Grundproblem (geringe Verfügbarkeit nicht), aber 20 % geringere Mieten (wenn wir davon ausgehen, die Reinvestitionsquote steigen soll) wären schon ein Wort.
Vielen Dank für den guten Input!
Das hat mich neugierig gemacht und ich habe selber mal nachgesehen:
Vonovia hat 2025 konzernweit (!) 3,428 Mrd. € Mieteinnahmen gehabt.
Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Dividende i.H.v. 1,060 Mrd. € vorgeschlagen.
Die ~ 30% kommen also hin. Vonovia hat zwar auch noch andere Umsatzquellen, aber die Vermietung ist natürlich der weit größte Teil.
Vonovia besaß 2025 ~ 531.000 eigene Wohnungen und gab für diese einen Verkehrswert von 84,448 Mrd. € an
Die Dividenden sind letztlich das, was Vonovia seinen Anlegern dafür zahlt, dass diese ihr Geld geben. Rechnen wir noch das Zinsergebnis (880 - 130 = 750) dazu, ergeben sich: (1,060 + 0,750) / 84,448 = ~ 2,14%. Das fällt bei einer Vergesellschaftung nicht vollständig weg: Berlin müsste die Immobilien ebenfalls finanzieren und dafür Geld zahlen. Bundesanleihen mit 20-30 Jahren Laufzeit liegen momentan eher um die 3,8% (30-jährig heute 3,78%). Ob Berlin die gleichen Sätze bieten kann, oder nicht doch einen Aufschlag zahlen müsste, ist fraglich.
Vonovias Mieteinnahmen sind 3,428 / 84,448 = ~ 4,06% des Marktwerts pro Jahr. Die laufenden Kosten geben sie mit 484 Mio € Instandhaltung, 488 Mio € operative Kosten und 327 Mio € für “substanzwahrende” Investitionen (24,23 € / m2 - 14,46 € / m2 (um den Instandhaltungsaufwand herauszurechnen) = 9,77 * 33.482 Tsd m2 Gesamtfläche) an. Das sind ~ 38% der heutigen Miete und diese hätte Berlin ebenso.
Wenn wir 20% Mietsenkung unterstellen, bleiben also nur 80% - 38% = 42% der heutigen Miete, aus der die Finanzierung erfolgen muss. Das sind 1,71% des Marktwerts pro Jahr (4,06 * 42%). Das bedeutet auch: zum vollen Marktpreis bräuchte Berlin 3,8% pro Jahr (siehe Bundesanleihen), selbst ohne Tilgung, nach den laufenden Kosten bleiben aber aus der heutigen Miete nur 2,52% (4,06% * 42%) übrig. Aufgrund der Differenz müsste die Miete hier also sogar um gut 30% steigen.
Die Initiative rechnet in Berlin mit 240.000 Wohnungen, die vergesellschaftet werden könnten. Unter der Annahme, dass diese im Schnitt so viel wert sind wie der Eigen-Gesamtbestand von Vonovia ergibt sich für Berlin ein Wert von ca. 38 Mrd. €, mit dem pro Jahr ca. 1,55 Mrd. € Mieteinnahmen erzielt werden. Die 1,71% von oben verraten uns nun, wie viel Berlin damit pro Jahr bedienen kann, also wie viel Berlin tatsächlich entschädigen kann:
1,71 / Rate = höchstmögliche Entschädigung mit Rate = Zins / (1 - (1 + Zins) ^ -Laufzeit)
Als Zins nehmen wir optimistischerweise die 3,8% des Bundes und drei verschiedene Laufzeiten (30, 50, unendlich (gar keine Tilgung)):
höchstmögliche Entschädigungen
Für 20% weniger Miete muss die Entschädigung also in einem Korridor zwischen 30-45% des Marktwerts liegen. Das Problem: je mehr Spielraum Berlin bei der Miete haben will, desto geringer muss die Entschädigungshöhe ausfallen und desto höher ist das juristische Risiko, damit vor Gericht durchzukommen.
Und: das ganze unterstellt das gleiche Niveau wie bei Vonovia, wohingegen du von 20% weniger Miete + mehr Reinvestition gesprochen hast. Das würde die Zahlen noch mehr drücken. (Bei 10% der Miete zusätzlich für Sanierung sinkt der Korridor auf ~23-34%)
Außerdem ist die Annahme hier, dass Berliner Wohnungen im Durchschnitt ebenso bewertet sind wie der Durchschnitt des Eigenbestands von Vonovia. Die sind allerdings auch in Österreich und Schweden tätig und besitzen zB auch Immobilienbestände im Ruhrgebiet. Sind die Berliner Wohnungen überdurchschnittlich teuer, würde dies die Rechnung weiter belasten.
Weiterhin wird unterstellt, dass Berlin die Wohnungen ebenso günstig bewirtschaftet wie Vonovia. Dazu kann ich mir kein Urteil erlauben.
Ob man merkt, dass ich heute keine große Lust auf Job habe…
Wow, viele dank für die Rechnung!
Wäre nie auf die Idee gekommen, dass du heute nicht mehr groß für die Arbeit motiviert warst… bis ich gesehen habe das du deine Annahmen sogar mit Quellen hinterlegt hast (wusste garnicht, dass das hier so elgant geht) xD
/edit: Sehe dank der Rechnung auch meinen Denkfehler: In meiner Annahme wäre es eine entschädigungslose Enteignung gewesen. So wie es sich darstellt, würde eine Vergesellschaftung letztlich nichts ändern, da das systematische Grundproblem (oder die Grundziel) des Kapitalismus (systematische Akkumulation von Kapital mit Umverteilung von unten nach oben bei gleichzeitigem Schutz von Privateigentum) im Weg steht. Daran was zu ändern wäre selbst eine linke Alleinregierung in Berlin Lichtjahre entfernt von.